Wohin mit den Altkleidern?
Die Krise auf dem Altkleidermarkt ist jetzt auch im Schwalm-Eder-Kreis angekommen. Immer mehr
Altkleidercontainer werden abgebaut. Sinkende Erlöse und nicht verwertbare Textilien sowie vermüllte
Sammelplätze sind der Grund, warum viele soziale und gewerbliche Sammler sich vom Markt
zurückziehen.
Wohin also dann mit aussortierter Kleidung?
„Da die Entsorgung von Alttextilien über gemeinnützige und gewerbliche Sammler bislang funktioniert
hat, haben wir uns als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger in diesem Bereich bis heute zurückgehalten“,
erklärt Dr. Peter Zulauf, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF).
Nachdem das DRK jetzt angekündigt hat, dass die Sammelcontainer im Schwalm-Eder-Kreis zum
Jahresende eingezogen werden, besteht aus Sicht von Zulauf jedoch Handlungsbedarf. „Im ersten
Schritt haben wir eine Abgabemöglichkeit für Altkleider im Entsorgungszentrum am Standort Wabern
eingerichtet. Voraussichtlich bis Februar 2026 sollen dann Container in allen Kommunen aufgestellt
werden“.
Allerdings gibt es laut Zulauf wesentliche Änderungen gegenüber dem aktuellen Sammelsystem.
„Wir müssen uns bei der Sammlung auf noch tragbare Altkleider beschränken, denn nur für die gibt
es aktuell einen Markt. Es macht keinen Sinn, etwas getrennt zu sammeln, wenn es dafür keine
Verwertungsmöglichkeiten gibt“, erklärt der Geschäftsführer und ergänzt „verschmutzte oder zerschlissene
Altkleider und sonstige Textilien können - entgegen anderslautender Berichte, die am
Jahresanfang über viele Medien verbreitet wurden - über die Restmülltonne entsorgt werden.
Bei größeren Mengen verschmutzter oder zerschlissener Altkleider sowie für alle anderen Textilien
bietet die ALF eine kostenpflichtige Abgabe im Entsorgungszentrum in Wabern sowie auf der
Müllumschlagstation Schwalmstadt an. Alternativ können bei den Kommunen kostenpflichtige ZVARestmüllsäcke
erworben werden, die bei der Restmüllsammlung mitgenommen werden.
Eine weitere Änderung betrifft die Standorte der Sammelcontainer. „Details zu den Standorten für
die Altkleidercontainer besprechen wir gerade mit den Kommunen, erforderlich ist aber auf jeden
Fall eine kontrollierte Abgabe. Nur so können wir sicherstellen, dass die gut erhaltenen Altkleider
wieder genutzt werden können. Die neuen Standorte der Sammelcontainer dürfen nicht zu Müllplätzen
verkommen, wie das in letzter Zeit zunehmend zu beobachten war“, informiert Zulauf. Die Container
werden deshalb auf nicht frei zugänglichen Flächen der Kommunen stehen. In Frage kommen
z.B. Bauhöfe oder Grünabfallsammelplätze. Zudem soll die Abgabe zu festgelegten Zeiten erfolgen.
„Sobald die Details abgestimmt sind, werden die Kommunen ihre Bürgerinnen und Bürger über die
Standorte der Container und die Abgabezeiten informieren“, sagt Zulauf.
Was aber steckt eigentlich hinter der Krise auf dem Altkleidermarkt? Bis vor wenigen Jahren gab es
noch einen regelrechten Kampf um Alttextilien. Hohe Marktpreise führten dazu, dass ständig mehr
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Container von gewerblichen Sammlern aufgestellt wurden, weil mit der Ware „Alttextilien“ viel Geld
zu verdienen war.
Diese Zeiten gehören offensichtlich der Vergangenheit an. Die wichtigen Märkte für den Verkauf der
gebrauchten Textilien in Afrika und Osteuropa sind weggebrochen, weil China den Markt mit billiger
Neuware überschwemmt. Zudem wirken sich der Krieg in der Ukraine und andere Konfliktherde
negativ auf die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung aus.
Nicht zuletzt hat sich die Menge der Sammelware durch „fast fashion“, also schnelllebige Mode,
wesentlich erhöht. Gleichzeitig ist die Qualität der Textilien deutlich zurückgegangen. „Die minderwertige
Ware, die bewusst günstig produziert wird, ist für einen weiteren Gebrauch nicht geeignet.
Ein echtes Recycling, bei dem aus alten Fasern wieder neue Textilien entstehen, steckt technisch
noch in den Kinderschuhen, steht also derzeit noch nicht im benötigten Umfang zur Verfügung. Weil
auch die Nachfrage nach Malerflies und Dämmstoffen zurückgegangen ist, bleibt für Alttextilien sehr
oft nur noch die energetische Verwertung“, berichtet der Geschäftsführer der ALF.
Die schwierigen Marktbedingungen haben bundesweit dazu geführt, dass Sammelcontainer nur
noch zeitlich verzögert oder gar nicht mehr geleert werden. Die Entsorgungssituation ist laut Zulauf
noch kritischer geworden, weil Medien zum Jahreswechsel die Verbraucher durch unzutreffende
Meldungen verunsichert haben, in dem über eine neue EU-Richtlinie und ein Entsorgungsverbot für
Alttextilien in der Restmülltonne und damit verbundene Strafen berichtet wurde. „Da ist leider viel
Nonsens verbreitet worden“, meint Zulauf.
Die Verunsicherung der Verbraucher hat die Qualität der Sammelware nochmals verschlechtert, weil
seither noch mehr verschmutzte und zerschlissene Textilien in die Container geworfen werden.
Weil die Herstellung von Textilien mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden ist, hat die Europäische
Union die Textilhersteller durch eine neue EU-Richtlinie verpflichtet, gebrauchte Textilien
zurück zu nehmen und zu verwerten.
Die Verpflichtung muss aber zunächst noch in deutsches Recht umgesetzt werden. Spätestens im
April 2028 wird dies der Fall sein. Dann soll es ein bundesweites Rücknahmesystem geben, das die
Hersteller finanzieren und das alle Textilien umfasst.
„Bis dahin sind wir als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger gefragt, Übergangslösungen zu schaffen.
Ich hoffe, dass die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis uns unterstützen und nur tatsächlich noch
tragbare Altkleider an den kommunalen Sammelplätzen abgeben“, erklärt Zulauf und fügt hinzu,
dass die Unterstützung lokaler Kleiderkammern und caritativer Sammlungen natürlich weiterhin Vorrang
haben sollte, sofern dort ein Bedarf besteht.


