Zu Besuch im früheren haus helene bei den ahmads

„Salam“. Die Begrüßung erinnert mich an meine Jugendbücher von Karl May. Der deutsche Abenteurer Kara Ben Nemsi wurde bei seinen Reisen in den Orient so willkommen geheißen. Heute ist es Bahaadin der mich und Renate, die ich zum Übersetzen mitgenommen habe, so herein bittet. Er wohnt hier als Single mit den Familien seiner beiden Brüder Muhannad und Muhtaz. Außer den drei Brüdern wohnen noch die Ehefrauen und insgesamt drei Kinder in einer Etage der Sammelunterkunft, die das Sozialamt Homberg angemietet hat.

Die Wohnungen wurden vom Besitzer ordentlich renoviert, das Drumherum ist eher unwohnlich. Trotzdem, welch ein Kontrast zu dem versifften Loch bei meinem Besuch in dem Haus vor zwanzig Jahren. Damals war es bereits einmal Flüchtlingsheim und als direkte Nachbarn waren wir in Kontakt mit einem kurdischen Bewohner und seinen beiden Kindern gekommen. Auch weil unser Jüngster im Alter der beiden war. Eine Familien-Freundschaft, die bis heute anhält.

Weg aus Ruinen und Zelten

Wir werden in den ‚Salon‘ – das Wohnzimmer – gebeten und nehmen gegenüber Bahaadin und Muhannad auf einem der vier Sofas Platz, die offensichtlich gespendete Gebrauchtmöbel sind. Der dritte Bruder ist nicht da. Er macht gerade den Einstufungstest zum Integrationskurs. Bei Tschai (sehr süßem Tee) und Sonnenblumenkernen (sie aus den Schalen zu puhlen ist gar nicht so einfach!) erfahren wir, dass das Arabische, aus dem Renate für mich übersetzt, nicht ihre Muttersprache ist. In ihrer Nord-Syrischen Heimat sprechen selbst die Araber des Dorfes kurdisch. Arabisch haben sie als Kurden erst in den sechs Jahren Grundschule gelernt. Das Dorf liegt jetzt in Ruinen und die Mutter und der vierte Bruder hausen in Zelten und hoffen auch nach Deutschland nachkommen zu können. In Friedenszeiten hatten die verschiedenen Religionen gut miteinander gelebt. Im Nachbardorf gab es auch Christen. Mit verschmitztem Lächeln erzählt Bahaadin, dass man dort auch Bier kaufen konnte.

Bier statt Fladenbrot

Bier gibt es hier jetzt zwar überall, um heimatliche Spezialitäten oder auch nur das heimatliche Brot kaufen zu können müssen sie aber nach Kassel fahren. Auch für die Fahrten zum Ausländeramt in Homberg oder zum Jobcenter in Fritzlar müssen sie einiges von der geringen Unterstützung die sie erhalten bei der NVV ausgeben. Der größte Batzen an Ausgaben sind jedoch Lebensmittel, die sie meist im Ort bei Edeka Rewe oder Tegut kaufen. Wenn das Geld knapp ist lohnt sich die Fahrt zu Aldi nur ab und zu. Auch Bekleidung ist nicht billig. Obwohl die Kleiderkammer des Helferkreises gerne und dankbar genutzt wird finden sie nicht immer das Passende: „Deutsche Menschen sind so groß- und etwas dick“. Muhannad muss grinsen.
     
Andere Länder – andere Sitten

Das Gespräch schwenkt auf das Thema Beruf um und aus dem Grinsen wird ein breites und ungläubiges Lachen als ich erzähle, dass ich zwanzig Jahre lang Hausmann war, während meine Frau zur Arbeit ging. Andere Länder – andere Sitten. Die Ehefrauen der Beiden wollen auch nicht aufs Foto. „Wollen sie nicht oder wollen es die Männer nicht?“ „Du kannst sie fragen, sie wollen nicht.“

Ich erinnere mich: Als die Frau meines kurdischen Freunds und Nachbarn vor zwanzig Jahren nach Deutschland   nachkommen konnte brauchte es einige Zeit, bis sie mich, als Mann, begrüßt hat. Heute flachst sie manchmal mit den Kunden im beliebten Restaurant ihres Mannes. Die beiden Kinder studieren. Bahaadin hofft, demnächst in dem Restaurant als Küchenhilfe zu arbeiten.

„ Dankeschön, dass du unseren Tee getrunken hast und für das Gespräch“ Ich schlüpfe in meine Schuhe und kriege ein ‚A Salam Aleikum‘ mit auf den Weg. ‚Friede sei mit Dir‘. Was für ein schöner Gruß!